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Artgerechte Unterbringung - der Käfig



Bevor Degus bei Euch einziehen, solltet Ihr Euch natürlich auch Gedanken über die artgerechte Unterbringung gemacht haben. Im Handel findet man bisher nur in Glücksfällen wirklich einwandfrei geeignete Deguheime. Und auch beim ⇒ Zubehör gibt es einige Dinge, die es zu beachten heißt.

Die Käfiggröße
In den letzten Jahren hat sich viel in der Deguhaltung getan und aktuell gibt es einige Diskussionen rund um den Käfig. Daher gibt dieser Abschnitt sicher nicht die Meinung aller Halter wieder, entstand aber nach ausführlichen Diskussionen mit verschiedenen Deguhaltern sowie mit Vereinen u.ä..

Die ⇒ tierärztliche Vereinigung für Tierschutz empfiehlt für die Haltung von 2 Degus einen Käfig von mindestens 100 x 50 x 100 cm Größe. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass kleinere Käfige als tierschutzwidrig bezeichnet werden können. Im Deguforum hat sich als Mindestempfehlung inzwischen als Mindestmaß für 2-3 Degus 120 x 50 x 100 cm (LxBXH oder HxBxL) durchgesetzt.

Die Erfahrung vieler Halter zeigte jedoch, dass diese Maße aufgrund des Bewegungsdranges der Tiere noch immer nicht ausreichen. Bitte beachtet, dass größer dabei natürlich immer besser ist und wer möchte sich schon gerne in einer "kleinstmöglichen Wohnung" aufhalten? Gönnt Euren Tieren also am besten ein Zuhause, welches die eben genannten Maße nochmals übersteigt. Zudem halten viele Leute größere Degugruppen, deren Käfig dann natürlich auch entsprechend großzügiger gestaltet sein muß.

Zusätzlich möchten wir betonen, dass Degus in freier Wildbahn Bodenbewohner sind, die zwar vergleichtsweise geschickt klettern und entsprechende Möglichkeiten auch gerne nutzen, doch gewisse Laufflächen sehr wichtig sind und sie zudem auch gerne buddeln. Ideal sind daher möglichst große Grundflächen. Bei höheren Käfigen stellen großzügige Etagen (die die Grundfläche somit vervielfachen) einen gewissen Ausgleich dar, Vorraussetzung ist hier jedoch auch die Einhaltung der Mindestgrundfläche.

Das Deguheim
Der Handel bietet Unterbringungen für Nagetiere in den verschiedensten Variationen. Doch für Degus scheiden einige davon aus, da sie überaus talentierte Ausbrecher sind. Ihre Zähne machen vor einer normalen Plastikbodenwanne, mit der viele der Käfige ausgestattet sind, keinen Halt. Dennoch bleiben einige Möglichkeiten, die jeweils Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Aquarien und Terrarien
Glas kann nicht angenagt werden - daher ist es eigentlich optimal für die Haltung von Degus. Weiterer Vorteil ist, dass aus Aquarium oder Terrarium die Einstreu nicht so leicht herausgegraben werden kann, zudem gibt es kein "Gitternagen". Und gitterfreie Sicht hat man noch dazu auf seine Degus! Doch haben sie nicht nur Vorteile:

Aquarien sind überall im Handel erhältlich und oft findet man auch recht günstig ein gebrauchtes Aquarien in diversen Zeitschriften. Neuere Aquarien sind normalerweise nicht mehr mit bleihaltigen Kitt verbunden. Normales Aquariensilikon ist für Degus, die es oftmals ein wenig aus den Ritzen herausziehen, relativ ungefährlich. Doch Aquarien sind meist nicht höher als 50-60 cm (mehr wäre auch aufgrund der schlechten Durchlüftung nicht geeignet), weshalb sie meist kaum in Frage kommen. Viele nutzen daher Aquarien z.B. als Grundfläche für einen selbstgebauten Käfig oder als reinen Anbau für einen normalen Käfig (z.B. als Sandbuddelbox).

Terrarien sind in der Anschaffung meist um einiges teurer. Sie sind mit Lüftungsschlitzen ausgestattet, können also höher als Aquarien sein und lassen somit in vielen Fällen auch eine abwechslungsreichere Gestaltung zu. Weiterer Vorteil sind die auf der Vorderseite eingebrachten Schiebetüren. Kein Nagetier schätzt es, von oben her aus dem Käfig genommen zu werden (siehe auch ⇒ Eingewöhnung und Zähmung). Neben der teilweise hohen Anschaffungskosten gibt es jedoch leider auch hier Nachteile. Terrarien bieten in manchen Fällen Angriffsflächen für die Deguzähne. Beim Kauf sollte man daher darauf achten, dass die eingebrachten Lüftungsgitter stabil sind - meine Degus schafften es z.B., ein Aluminiumgitter durchzunagen! Die Schiebetüren laufen normalerweise in Kunststoffschienen und müssen zusätzlich geschützt werden. Und nicht jedes Terrarium bietet auch garantiert eine ausreichende Belüftung, es sollten ggf. stabile Lüftungsgitter angebracht werden.

Volieren und Käfige aus dem Handel
Wie bereits erwähnt, sind leider viele der handelsüblichen Kleintierunterbringungen mit Plastikbodenwannen ausgestattet. Für den Ausbruchskünstler Degu stellen diese kein großes Hindernis dar. Damit scheiden leider schon viele Käfige aus. Mit etwas Glück findet man aber Vogelvolieren oder z.B. Chinchilla- oder Streifenhörnchenheime, die den Ansprüchen der Degus gerecht werden. Achtet hierbei darauf, daß die Gitterabstände nicht zu groß sind und kein Plastik verarbeitet ist (als Bodenwanne, Befestigungsmöglichkeiten für Futternäpfe o.ä.).

Das selbstgebaute Deguheim
Uns erreichte aus diesen Gründen schon öfters die Frage nach der artgerechten und vor allem sicheren Unterbringung. Oft bietet sich hier ein Selbstbau an. Auf mehreren Unterseiten haben wir nun schon ein paar Anleitungen zusammengetragen:

⇒ Unsere Bauanleitung
⇒ Günstige Voliere + Aquarienaufbau
⇒ Ikea-Sten-Regal
⇒ Traumgehege im Garten


Im Deguforum gibt es zudem auch noch viele Bilder zu bestaunen, die weitere Anregungen bieten können:
⇒ http://www.degus-online.de/phpbb/viewtopic.php?f=10&t=8307&start=240

Dazu kommt auch oft die Frage auf, aus welchem Material ein Käfig gebaut werden sollte, da kaum etwas vor den Nagezähnen sicher ist. Viele verwenden Holz und schützen dann die Kanten mit Aluleisten, wie man auf dem nebenstehenden Foto erkennen kann. Diese Aluschienen kann man auch gut benutzen, um einen gekauften und "nagegefährdeten" Käfig etwas zu schützen.

Als Gitter verwenden die meisten unbeschichtetes "Casanet". Das im Handel häufig als "Hasendraht" oder "Hexanet" angebotene Gitter ist für Degus ungeeignet, da es nicht stabil genug ist. Gerade bei Gitter mit parallelen Streben können 1,5 cm Abstand beim Einzug von Jungtieren schon zu viel sein.

In diesem Käfig leben unsere Degus derzeit. Das System aus Steckverbindern und Profilen stammt aus dem Messe- oder Volierenbau. Online können die einzelnen Bestandteile geordert werden (hierbei ist eine sehr genaue Planung erforderlich!), zusätzlich benötigt man Bretter für die Seitenwände/Etagen, Lüftungsgitter und Glasscheiben. Wird alles beim Schreiner/Baumarkt bzw. Glaser entsprechend zugeschnitten, ist der handwerkliche Anteil beim Aufbau überschaubar.

Habt Ihr einen sehenswerten Käfig? Dann schickt mir doch ein paar Fotos und vielleicht eine kurze Beschreibung. Ich übernehme Euer Bild dann in die kleine Käfiggalerie!

Der richtige Standort
Degus sind überwiegend tagaktiv. Doch auch in den Abendstunden können die quirligen Nager sehr munter sein, manche scheinen auch das Nachtleben zu genießen. Daher ist das Schlafzimmer ein denkbar ungeeigneter Ort für einen Degukäfig. Denn durch Nagen, Wühlen oder Radlaufen rauben die Degus ihren Haltern leicht den Schlaf.

Laute Musik oder anderen Lärm schätzen Degus nicht sonderlich. Dementsprechend sollten sie in einem ruhigeren, rauch- und zugluftfreien Raum untergebracht werden. Degus sind Fluchttiere, weshalb zumindest eine Käfigseite von einer Wand oder ähnlichem geschützt sein sollte. Ganz wichtig ist auch der Schutz vor anderen Tieren - so manche Katze würde Gefallen an den Degus finden.

Degus genießen Sonnenbäder, jedoch kann direkte Sonneneinstrahlung auf den Käfig gerade im Sommer leicht zu einem Hitzschlag führen. Auch direkt an der Heizung sollte der Käfig daher nicht stehen. Besonders beliebt sind in den Käfigen erhöhte Plätze, von denen aus das Geschehen im Zimmer beobachtet werden kann. Bringt man Degus also nicht gerade in einer Voliere unter, sollte der Käfig möglichst erhöht aufgestellt werden - auch damit wir Menschen für die Degus nicht wie riesige Monster wirken.

Außenhaltung
Immer wieder erreicht uns die Anfrage, ob es möglich ist, Degus draußen zu halten.

Bisher gibt es wenige Halter, die ihre Degus draußen halten. Grundsätzlich ist es aber durchaus möglich, wenn einige Dinge beachtet werden. Leider können wir hier bisher, aufgrund der bisher wenig vorhandenen Erfahrungen, nur wenige Informationen zusammentragen, über Berichte freuen wir uns daher sehr! Aus gleichem Grund können wir die Außenhaltung auch nicht bedenkenlos empfehlen.

Grundsätzlich muss der Käfig natürlich sehr sicher gebaut werden. Die Bewohner dürfen keinesfalls auskommen können und Greifvögel, Marder, Katzen o.ä. dürfen den Degus nicht gefährlich werden. Zudem muss der Käfig möglichst wettergeschützt aufgestellt sein. Pralle Sonne, stehendes Wasser bzw. die Wetterseite, ein sehr zugiger Balkon o.ä. eignet sich nicht für die Deguhaltung. Degus können sehr empfindlich ⇒ bei Hitze reagieren. In jedem Fall sollte eine Rückzugsmöglichkeit vorhanden sein, die trocken und gedämmt ist.

Die Degus bitte keinesfalls im kalten Herbst, Winter oder im unbeständigen Frühjahr nach draußen gewöhnen.



Hinweise:
© 2014 - Sabine Götz