Degus-Online

Die Seite für alle Degufreunde

Tierschutz geht uns alle etwas an!

Das Konzept „Tierschutz“ ist in Deutschland schon relativ alt. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert verankerte man im deutschen Kaiserreich bestimmte Einschränkungen zum Schutz der Tiere im Gesetz. Das, was die Menschen als Leid am Tier empfanden, wurde bei Strafe verboten.  

Dieses Gesetz blieb sogar im Dritten Reich, wenngleich die Verbote der Nationalsozialisten faktisch mehr auf eine Einschränkung der Juden abzielten. Deren religiöse Vorschriften verlangen beispielsweise das Schächten – dieses war jedoch verboten.

Der Ursprung unseres aktuellen Tierschutzgesetzes stammt aus dem Jahre 1972. Seit 2002 sind der Schutz „in Verantwortung für die künftigen Generationen [der] natürlichen Lebensgrundlage und [der] Tiere“ als Staatsziel im § 20a des Grundgesetzes der Bundesrepublik verankert.

Das TierSchG hat das Ziel, „das Tier als Mitgeschöpf [zu achten und] dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen“ (§1 TierSchG, zuletzt geändert 29.3.2017). Es verurteilt vorrangig das grundlose Töten und die Misshandlung von Wirbeltieren und Kopffüßlern. Für die Tierhaltung setzt es voraus, dass Tiere in menschlicher Obhut art- und bedürfnisgerecht versorgt, ernährt und untergebracht sein müssen. Dazu gehören ausreichende Bewegungs- und den Verhaltensmustern der Tiere angepasste Beschäftigungsmöglichkeiten. Sofern eine Person viele Tiere beherbergen und versorgen möchte, ist eine ausreichende Sachkenntnis durch einer Sachkundeprüfung nachzuweisen. 

Zuwiderhandlungen gegen dieses Gesetz können mit bis zu 1-3 Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden. Auch Bußgelder von bis zu 25.000 € sind möglich. 

Zum Vollzug des Tierschutzgesetzes sind die Landesbehörden der einzelnen Bundesländer berechtigt. Veterinärämter sind dazu befugt, Tierhaltungen zu kontrollieren, Auflagen zur Verbesserung zu erteilen und, so diesen nicht Folge geleistet wird, die Tiere zu beschlagnahmen und im Extremfall sogar Tierhalteverbote auszusprechen. 

Leider empfinden viele Tierschutzverbände die Gesetzeslage als zu schwammig und die Eingriffe der Behörden als zu gering. Die wirtschaftliche Nutzung von Tieren ist und bleibt in den meisten Fällen die oberste Priorität. 

Damit setzt auch das heutige Tierschutzgesetz 150 Jahre nach seinem ursprünglichen Vorgänger den Fokus auf das Empfinden der Menschen, nicht das Wohlergehen der Tiere. Was für ein Tier grundloses Leid oder übermäßiger Schmerz ist, wird danach festgesetzt, was die Menschen als solches empfinden.

So ist zwar beispielsweise die Haltung von Legehennen in Legebatterien inzwischen verboten, jedoch benennt das TierSchG explizit eine Ausnahmegenehmigung für die betäubungsfreie Kastration von Ferkeln oder die Amputation der Daumenkralle bei Masthähnchen, wodurch mögliche Nachteile der Tierhalter gemindert werden. Das Wohl der Tiere dürfte nicht vorrangig ausschlaggebend für diese Aspekte sein. Auch Tierversuche werden durch das TierSchG zwar umfassend geregelt (§§ 7-9), nicht jedoch verboten. An diesem Punkt setzt die Arbeit von Tierschutzvereinen an.  

Wir machen uns stark für die ganz Kleinen, die häufig durch das Raster fallen. Wir machen uns stark für diejenigen, von denen der Gesetzgeber glaubt, ihr Schmerzempfinden sei nicht so ausgeprägt wie das menschliche. Wir machen uns stark für die Tiere, die mit dem Argument „das haben wir schon immer so gemacht!“ keine artgerechten Behausungen und keine ihren Bedürfnissen entsprechenden Beschäftigungsmöglichkeiten oder geeignetes Futter bekommen. Wir setzen uns ein für Tiere, die kaum jemand kennt, die sich durch die zunehmende Globalisierung aber weltweit immer mehr verbreiten.Für die, die keiner haben will, weil aus zwei Tieren plötzlich zwanzig werden.   

Wir können die Welt nicht retten, das müssen wir Tag für Tag schmerzlich aufs Neue erfahren. Aber helfen wir nur einem einzigen Tier, so haben wir für dieses Tier die Welt verändert - und darauf kommt es an.  

Erreichen wir die Menschen und können über die (zum Teil lange missachteten) Bedürfnisse von Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchillas oder Degus aufklären, verbreiten wir so unsere Philosophie zum Schutz und zur tiergerechten Haltung aller Tiere, haben wir den ersten Schritt in Richtung einer besseren Welt für uns alle getan.

Text von Julia Riedel