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Giardien

Giardien (Giardia, Lamblien) treten bei Tieren ebenso wie bei Menschen auf. Es handelt sich dabei um Dünndarmparasiten. Giardien sind Einzeller und zählen zu den Protozoen, dort zu den Flagellaten (Geißeltierchen). Bei einer Erkrankung spricht man von der Giardiasis oder auch Lambliasis, Lablienruhr.   Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, wird man erstaunt feststellen, dass die "Dunkelziffer" der befallenen Tiere (und auch Menschen) sehr hoch ist, denn es müssen nicht unbedingt Symptome auftreten.

Beschwerden treten vor allem bei Jungtieren oder auch älteren bzw. geschwächten Tieren auf und sie äußern sich dann mit Durchfall und oft auch Gewichtsverlusten, das Allgemeinbefinden kann beeinträchtigt sein. Todesfälle sind bei Mensch und Tier sehr selten, schwere Krankheitsverläufe bei Degus offenbar auch die Ausnahme. Da die medikamentöse Behandlung, die meist mit Panacur erfolgt, nicht ganz unbedenklich ist, stellen sie manche in Frage, wenn keine deutlichen Symptome vorliegen. 

Nachstehend habe ich ein paar allgemeine Infos zusammengetragen. Eine Behandlungsempfehlung möchte ich nicht geben (bitte mit dem Tierarzt absprechen), doch am Ende dieser Seite ist auch eine Umfrage zu finden und ich hoffe, ich kann hier nach einer gewissen Zeit auch ein paar hilfreiche Informationen und Erfahrungsberichte zusammenstellen.

Testverfahren
Zur Feststellung von Giardien gibt es unterschiedliche Testmethoden. Die meisten Labore testen mittels "ELISA" auf ein Zellantigen. Bei diesem Test ist das Ergebnis positiv, egal ob lebende oder nur tote Giardien vorhanden sind. Eingeschickt wird hier eine Sammelkotprobe von drei Tagen. Es gibt inzwischen jedoch auch Labore, die auf ein Teilungsprotein testen, welches nur nachgewiesen werden kann, wen lebende Giardien vorhanden sind. Dieser Test gilt momentan als sicherster Nachweis einer bestehenden Giardieninfektion. Es gibt Tierärzte, die selbst untersuchen oder sogar käufliche Soforttests. Beide Möglichkeiten sind jedoch leider relativ ungenau, weshalb davon abzuraten ist. Es kann sinnvoll sein, bei seinem Tierarzt vor einer Untersuchung zu fragen, welche Testmethode vorgenommen wird. Zudem ist es auch selbst möglich, Proben an ein Labor zu senden.

Übertragung
Die Übertragung erfolgt durch den Kot der betroffenen Tiere, nicht den Speichel. Wobei natürlich einige Tiere Kot aufnehmen, sich die Pfoten ablecken o.ä. und daher unter Umständen auch am Maul Giardien zu finden sein. Z.B. bei Hunden ist das der Grund, warum die Übertragung so einfach ist - Kothaufen werden liegen gelassen, ein Vierbeiner tappt hinein, leckt sich die Pfoten ab... Bei unseren Degus ist die Ansteckung auch z.B. durch Frischfutter denkbar, Fliegen, die zuvor auf Kot saßen, kontaminierte Kleidung, Hände, Wasser o.ä..                       

Die Zysten sind leider recht widerstandsfähig. Viele Desinfektionsmittel helfen hier nicht und auch Kälte und Hitze nicht unbedingt sofort:

- Bei 37 °C überleben die Zysten zum Teil ohne Wirt/in trockener Umgebung "nur" rund 21 Tage
- Bei mehr als 50 °C (da widersprechen sich die Quellen etwas, manche geben > 60 °C an) weniger als 1 Minute
- Bei -20 °C rund 10 Stunden. Man liest immer wieder, dass sie ab -4° C absterben, doch da muss diese Temperatur wohl zumindest einige Tage konstant bleiben. Kalte Nächte im Winter sind beispielsweise in freier Natur nicht hilfreich, wenn es sich tagsüber dann doch wieder auf - 3 °C einpendelt oder die Temperatur im Boden oder auch Gewässern gar nicht erst so weit sinkt.  
Quelle hierzu z.T.: Supperer und Boch: Veterinärmedizinische Parasitologie 6. Ausgabe
  

Kann ich mich anstecken?
Es gibt sehr viele Giardien-Arten, weshalb eine Übertragung von einer Tierart zu einer anderen oder auf Menschen zwar grundsätzlich denkbar ist, aber lange nicht in allen Fällen. Denn es gibt nur wenige Genotypen, die tatsächlich verschiedene Wirte befallen können. Den genauen Typ zu kennen, ist für die Behandlung an sich nicht wichtig zu wissen. Sollte man aber Angst vor der eigenen Ansteckung haben und wissen wollen, ob dies bei der vorliegenden Giardien überhaupt möglich ist, kann eine Kotprobe per PCR-Test untersucht werden, z.B. bei Laboklin. Die Kosten für eine solche Untersuchung liegen etwa bei 90 Euro. Menschliche Proben kann man dabei nicht selbst zur Untersuchung senden, dies müsste ein behandelnder Arzt tun, zudem wäre eine Giardieninfektion in diesem Fall sogar meldepflichtig. Bei Tieren liegt keine Meldepflicht vor.

Bisher liegt mir keine Information vor, welcher Genotyp bei Degus gefunden wurde.

 

Umfrage
Ich beschäftige mich schon längere Zeit immer wieder mit dem Thema Giardien. Ich selbst habe zwar bei Degus nie Erfahrungen damit gemacht, aber seit unser Hund im Frühjahr 2018 betroffen war, verfolge ich das Thema an vielen Stellen. Um das bei Degus mal etwas genauer zu betrachten, würde mich folgendes interessieren und ich würde mich freuen, wenn einige mitmachen

1.  Wie wurdet Ihr darauf aufmerksam, dass eure Degus betroffen sind? Welche Symptome gab es genau?  
2. Hat schonmal jemand Kotproben von Tieren ohne jegliche Symptome untersuchen lassen?  Also z.B. bei Neueinzug von Tieren? Ergebnis?  
3. Wie wurde getestet? Möglichst genaue Info, soweit bekannt (z.B. Sammelkotprobe über x Tage, welche Testmethode, ggf. welches Labor). Hat jemand vielleicht sogar mal eine genaue Bestimmung vornehmen lassen? Wenn ja, welche Giardien-Art wurde festgestellt?  
4. Details zu den betroffenen Tieren: Geschlecht, Alter, Vorerkrankungen oder auch Begleiterkrankungen, Herkunft u.ä.  
5. Wie wurde behandelt?    
- Genaue Medikation (welches Medikament, Dauer der Gabe, Pausen...)?    
- Wurden besondere Hygienemaßnahmen ergriffen? Welche genau?     
- Gab es sonstige Maßnahmen wie z.B. Ernährungsumstellung, Behandlung mit Giardex o.ä.? Bitte auch hier möglichst genaue Infos.      
- Wurden alle Tiere der Gruppe behandelt?     
- Erfolgreich behandelt? Wie wurde ggf. nachgetestet (Zeitraum, Testverfahren etc.)

Bitte sendet mir Eure Berichte an giardien@degus-online.de. Mir geht es um eine reine Erfahrungssammlung und je nach Beteiligung kann es etwas dauern, bis ich eine aussagekräftige Zusammenfassung der Ergebnisse geben kann. Dabei werden selbstverständlich keine Namen veröffentlicht.